ich möchte heute mal ein Konzept mit euch teilen, das mir in letzter Zeit extrem viel Kopfzerbrechen, aber am Ende auch den großen Durchbruch gebracht hat.
Das Problem: Ich habe eine massiv überdimensionierte On/Off-Wärmepumpe (CTC EcoHeat 10kw). Jeder, der so ein Monster im Keller stehen hat, kennt das Problem in der Übergangszeit oder in gut gedämmten Häusern: Das Ding ballert kurz los, wird die Wärme nicht schnell genug los, die Rücklauftemperatur schießt hoch und die Anlage schaltet ab (Takten des Todes). Teilweise hatte ich dutzende Starts am Tag, was weder für die Lebensdauer des Kompressors noch für die Effizienz gut ist.
Ich habe mich hingesetzt und eine eigene Steuerung entwickelt, die der WP die Führung komplett aus der Hand nimmt. Ich dachte, ich teile mal meine Herangehensweise mit euch, vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der vor dem gleichen Problem steht.
Mein Konzept: Der Estrich als berechenbarer Akku
Statt die WP auf sture Vorlauf-Kennlinien oder einen kleinen Pufferspeicher reagieren zu lassen, habe ich angefangen, die physikalische Kapazität meines Hauses zu berechnen.
1. Die Live-Bilanz (Das Herzstück) Ich berechne dauerhaft eine thermische Bilanz in kWh. Ich nehme die aktuelle Bodentemperatur, die Raumtemperatur, die Estrich-Dicke (4cm) und die Fläche (180m²) sowie die spezifische Wärmekapazität. Das System weiß also nicht einfach nur "es ist zu kalt", sondern es weiß exakt: "Der Estrich und die Luft brauchen jetzt genau 14,5 kWh thermische Energie, um das Soll zu erreichen."
2. Prädiktive Wetterführung (Der 3-Stunden-Vorlauf) Da der Unterlagsboden extrem träge ist, bringt es nichts, die WP erst abzuschalten, wenn die Sonne schon durchs Fenster scheint – dann überhitzt der Raum unweigerlich. Meine Steuerung schaut deshalb über die Wettervorhersage ca. 3 Stunden in die Zukunft. Wenn ein hoher Solar-Ertrag vorhergesagt ist, blockiert das Skript die Wärmepumpe bereits im Vorfeld. Die "fehlende" Wärme wird dann pünktlich von der Sonne durch die großen Südfenster gratis nachgeliefert. Zusätzlich wird nachts über einen Sensor ein "Wind-Chill-Faktor" auf die Heizlast gerechnet.
3. Der erzwungene Dauerlauf (Takt-Streckung) Wenn mein Haus z.B. 12 kWh Wärmebedarf meldet (und in den nächsten 3 Stunden keine Sonne kommt), erlaube ich der WP den Start. Der Trick: Ich verfälsche über Modbus die Soll-Verschiebung extrem nach oben (ich simuliere der WP, dass es eiskalt ist). Dadurch wird die Rücklauf-Abschaltgrenze der WP künstlich so weit nach oben gedrückt, dass sie gar nicht mehr wegen Übertemperatur abschalten kann. Die WP muss laufen! Und zwar genau so lange, bis mein Skript errechnet hat, dass die 12 kWh im Estrich "eingelagert" wurden. Erst dann schießt meine Logik die WP wieder hart ab.
Das Ergebnis & Der visuelle Beweis: Um zu zeigen, dass das nicht nur in der Theorie funktioniert, habe ich euch mal zwei Screenshots aus meinem Stromzähler-Portal angehängt. Der Unterschied im Stromverbrauch ist 1 zu 1 sichtbar:
- Bild 1 (Vorher): Das klassische Takten. Überall kurze, abgehackte Strom-Spitzen (Haifischzähne) über den Tag verteilt. Die WP springt an, würgt sich selbst ab und geht wieder aus.
- Bild 2 (Nachher mit meiner Logik): Wunderschöne, durchgehende Strom-Blöcke. Die Wärmepumpe läuft hier einmal sauber und effizient für mehrere Stunden am Stück durch und speichert die Energie im Unterlagsboden.
Ich liege jetzt bei ca. 6 sauberen Kompressor-Starts pro Tag statt ständigem An/Aus. Das Haus ist durch die Trägheit des Estrichs trotzdem perfekt temperiert. Abends wird geladen (Niedertarif), tagsüber hilft die Sonne (Solar-Pause).
Ich wollte diese Logik einfach mal in die Runde werfen. Es war ein hartes Stück Arbeit, die Haus-Konstanten (Wärmekapazitäten) halbwegs sauber einzupegeln, aber der Aufwand hat sich definitiv gelohnt.
Wer von euch kämpft auch mit einer überdimensionierten On/Off-Anlage und wie habt ihr das Takten in den Griff bekommen? Habt ihr das stumpf über Sperrzeiten gelöst oder regelt ihr das auch dynamisch über externe Haus-Parameter?
Ich freue mich auf die Diskussion!
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